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"Eine große Erfolgsgeschichte"
27.10.2011 Frankfurter Neue Presse
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25.02.2014 - Frankfurter Rundschau
Großhandel und Grünfläche


Das Gewerbegebiet Am Martinszehnten in Kalbach beherbergt unter anderem das Frischezentrum, das 2004 die Großmarkthalle am Osthafen ablöste. Es ist vielfältig, wird aber auch kritisch gesehen.

Wenn viele Kalbacher morgens aus den Betten steigen, neigt sich der Tag im Frischezentrum schon dem Ende entgegen. Es ist sieben Uhr in der Frühe und in der 23 000 Quadratmeter großen Verkaufshalle geht es hektisch zu: Händler bieten ihre Ware an die verbliebenen Kunden an. Was übrig bleibt, fahren Männer in Gabelstaplern durch ein Labyrinth an Verkaufsständen. Die Kunden müssen auf der Hut sein: ?In der Halle haben Ameisen und Eidechsen Vorfahrt?, sagt die Sprecherin des Zentrums, Andrea Peters, über die Elektro-Hubwagen.

Das Frischezentrum, das 2004 die alte Großmarkthalle am Osthafen abgelöst hat, ist einer der modernsten Umschlagsplätze für frische Lebensmittel in Deutschland ? und liegt mitten im Kalbacher Gewerbegebiet Am Martinszehnten. 110 Händler schlagen auf einem 13,3 Hektar großen Grundstück jährlich 300.000 Tonnen Frischware um ? von heimischen Bio-Produkten über exotische Südfrüchte bis hin zu internationalen Spezialitäten.

?Der Frankfurter Großmarkt ist wirtschaftlich einer der stärksten?, sagt Ruhi Yavuz, der Obst und Gemüse an türkische Supermärkte und regionale Wochenmärkte verkauft. Auch Kalbacher profitierten von dem Großhandel direkt vor der Haustür. ?Es gibt in Kalbach ein kleines Obst- und Gemüselädchen?, erzählt Peters, ?die Betreiber kommen regelmäßig hier her und können die Anwohner dann direkt mit der frischen Ware versorgen.?

Dabei waren die Gewerbetreibenden anfangs keine gern gesehenen Gäste: ?Die Kalbacher wollten uns eigentlich nicht hier haben?, sagt Michael Desruelles, der als Importeur im Frischezentrum arbeitet. ?Die ganze Struktur des Einzelhandels hat sich verändert?, so sein Urteil. ?Die kleinen Firmen können hier auf Dauer nicht überleben. Der Warendruck ist hoch.?


Das Frischezentrum ist dennoch der größte Einzelinvestor im Gewerbegebiet. Auf der 87 Hektar großen Fläche, eingebettet zwischen den Autobahnen A 5 und A 661, haben sich seit 2002 zahlreiche Unternehmen angesiedelt: Die amerikanische Citibank eröffnete ihr größtes Rechenzentrum außerhalb der USA. Die Presse-Vertriebs-Gesellschaft versorgt die Region mit Tageszeitungen und Magazinen. Und der Stuttgarter Autobauer Mercedes hat am Martinszehnten sein Nutzenfahrzeug-Zentrum errichtet.

?Das ist für die Stadt und für die Alteigentümer ein optimal gelaufenes Projekt?, sagt Norbert Stamm von der Frankfurter Aufbau AG (FAAG), die das Gewerbegebiet zwischen 2003 und 2008 in sechs Bauabschnitten erschlossen und vermarktet hat. Mittlerweile steht das Gebiet auf eigenen Beinen: Die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme ist seit Ende 2011 abgeschlossen. ?Wir haben einen Vermarktungsstand von 100 Prozent?, sagt Stamm. 2600 Arbeitsplätze seien bis heute entstanden. Doch nicht alle sehen die Entwicklung positiv: ?Normalerweise ist das für die Bauern schlecht gewesen?, sagt Manfred Weitzel vom Ortsbauernverband Kalbach. ?Es gibt viele, die umziehen mussten.? Die Stadt habe zwar angeboten, Ausgleichsflächen zu schaffen, aber letztlich nicht die Möglichkeit gehabt, genug davon bereit zu stellen. Die Alteigentümer bekämen jetzt die restlichen Überschüsse ausgezahlt, die die FAAG derzeit noch ermittelt.

Das Gewerbegebiet besteht aber nicht nur aus Unternehmen und Industriebetrieben. Die Hauptachse bildet die Heinrich-Lanz-Allee mit vier Baumreihen. Mehrere Grünflächen ringsrum schmücken die Betonklötze. Und eine Fußgängerbrücke, die über die Kalbacher Umgehungsstraße führt, verbindet den nördlichen Stadtrand mit dem Stadtpark Nieder-Eschbach. ?Das ist ein Vorzeige-Gewerbegebiet?, findet Gisela Stamm, die früher 18 Jahre lang Ortsvorsteherin war.

Natur gibt es auch am Rande des Gebiets, wo der Verein zur Förderung der Integration Behinderter Taunus seine Zelte aufgeschlagen hat. Es ist früher Nachmittag, und auf dem Reiterhof an der Josef-Bautz-Straße geht es idyllisch zu: Pferde grasen auf der Koppel. Zwei Mädchen putzen ein Pferd im Stall. In der großen Reithalle werden zwei Kinder tiergestützt therapiert. Das Kinder-Förderzentrum bietet seit 2008 ein breites Angebot ? von der Hippotherapie über das heilpädagogische Reiten und Voltigieren bis hin zum Reitsport. Mehr als 200 Kinder kommen jede Woche, die meisten sind zwischen fünf und acht Jahre alt. ?Wir versuchen, jedes Kind mit seinen Stärken anzusprechen?, nennt Hippotherapeutin Susanne Jäger das Motto, das auf der Anlage verfolgt wird.

Seit einem Jahr kommt auch Mila Spielmann auf den Kastanienhof. Die Vierjährige leidet unter einer Wahrnehmungsstörung und soll durch die Hippotherapie ihr Gleichgewicht verbessern. ?Mila liebt Pferde?, erklärt Mutter Annett, wieso sich diese Therapieform besonders gut eignet. Und überhaupt sei der Reiterhof ein idealer Treffpunkt, um an Gleichgesinnte zu geraten: ?Wir haben hier viele wertvolle Menschen kennengelernt.?



Stand: 23.06.2014